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Der leise Ruf der Stille: Eine Woche smartphonefrei
Minimalismus

Der leise Ruf der Stille: Eine Woche smartphonefrei

Es war eigentlich nur ein Spaziergang, an dessen Ende ich mit dem festen Vorsatz nach Hause lief: Das Handy für eine Woche ausschalten. Der Podcast, den ich vorher gehört hatte - eine Folge über unseren umkämpften Kopfraum - hallte nach. Ich fragte mich, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit jeden Tag durch mein Smartphone zerrinnt, wie oft ich zwischen Nachrichten, Bildern und kleinen Aufgaben hin- und herwechsle. Und noch auf dem Rückweg habe ich gemerkt, wie schnell ein solches Vorhaben an seinen eigenen Bedenken erstickt: Was ist wenn die Änderung der Urlaubsbuchung nicht geklappt hat, wenn mich meine Familie und ich sie nicht erreichen kann? Bereits dort fiel mir auf, wie häufig ich dieses Gerät doch nutze, obwohl ich sehr auf meine Screentime achte. Desto wichtiger erschien es mir dieses Projekt zu starten. Also: Ab morgen ist digitaler Stillstand.

Ein Experiment in sieben Tagen

Tag eins. Ich gehe spazieren, das Handy bleibt zu Hause. Plötzlich schieben sich die Momente langsamer durchs Bewusstsein, fast als hielte jemand die Zeit an. Ich beobachte mehr, sauge die Lichtstimmungen auf, habe die Kamera bei mir um Momente einzufangen, lasse die Gedanken ziellos schwingen. Trotzdem: Es gibt sie, diese Unruhe - was, wenn die Buchung schiefging und das Geld futsch ist? Über den Tag spüre ich immer mal wieder ein Phantomvibrieren am Handgelenk. Erschreckend oft denke ich noch an mögliche Nachrichten, doch insgesamt bin ich froh das Projekt gestartet zu haben.

Tag zwei fühlt sich schon anders an. Die Idee, das Handy wieder einzuschalten, interessiert mich nicht mehr. Ich nehme mir endlich die Zeit, Nachrichten an Freundinnen zu schreiben, die ich schon lange kontaktieren wollte (geht ja eigentlich so schnell übers Telefon - aber hab ich die Möglichkeit in letzter Zeit genutzt?) also Zettel und Stift zur Hand genommen und mal wieder einige Briefe aufgesetzt. Ich fühle mich ruhiger.

Am dritten Tag bemerke ich, wie unwichtig das Handy gerade ist. Ich sehe und rede mit so vielen Menschen, wie schon lange nicht mehr - nur weil ich ins Dorf gegangen bin und mal keine Stöpsel in den Ohren hatte. Ich nehme meine Umgebung wahr, das Licht, die Wärme, die Gerüche. Und ich lese wieder Bücher. Ich habe das Gefühl mich besser konzentrieren zu können.

Am vierten Tag gibt mir der Alltag kleine Rätsel auf. Ich kann den Staubsauger nicht starten (kein Appzugriff). Und das Porto für meinen Brief hätte ich sonst einfach kurz online gebucht, jetzt muss ich versuchen die Briefe bei den Postfiliale mit den putzigen Öffnungszeiten abzugeben und stehe am Ende doch vor verschlossenen Türen. Ich vor einem Balanceakt zwischen Entschleunigung und moderner Werkzeuge.

Die Tage fünf und sechs bringen noch mehr neue Fotomotive. Es ist schön, wieder Fotos mit der alten Kamera zu machen. Nicht einfach das Handy zu zücken, sondern wirklich ein Motiv zu suchen, bevor ich abdrücke. Am Abend schaue ich meine ersten Rückblicke seit Langem an und frage mich, ob ich nicht überhaupt überlegter Dinge festhalten sollte, egal ob bildlich oder gedanklich. Auch die Gedanken scheinen sich neu zu ordnen - weniger Sprünge, mehr Fokus.

Am siebten Tag fehlt nichts mehr. Das Smartphone liegt an seinem Platz, ich habe eher etwas Angst, das Telefon morgen wieder einzuschalten. Ich will jedenfalls etwas ändern und nicht einfach wieder zum Zustand zuvor zurückkehren.

Immer wieder gerne.

Das war mein erstes Fazit. Und ich weiß jetzt: Ich möchte mindestens wieder einen smartphonefreien Tag in der Woche einbauen. Das Gerät soll nicht mehr dauerhaft bei mir sein – es soll einen Platz haben, wo es liegt. Und ich möchte bewusster entscheiden, wie ich es benutze. Nicht aus Gewohnheit. Nicht aus Reflex. Sondern weil ich es wirklich brauche oder will.

Eine Woche ist nicht viel. Aber sie hat mir gezeigt, wie viel Raum entsteht, wenn das ständige Verfügbarsein aufhört. Raum für Licht, für Gespräche, für Gedanken, die sich in Ruhe entwickeln können.

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