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Mehr Pflanzen, weniger Gewohnheit - ein Selbstversuch mit offenem Ausgang
Veganismus

Mehr Pflanzen, weniger Gewohnheit - ein Selbstversuch mit offenem Ausgang

Es gibt Themen, an denen man irgendwann nicht mehr vorbeikommt. Vegane Ernährung ist so ein Beispiel. Bei mir war es zunächst eine Dokumentation. So fing ich an mich zu fragen: Was esse ich da eigentlich, und warum?

Ich habe mich das ab dem Herbst 2024 immer häufiger gefragt und bin zugleich neugierig geworden, könnte eine vegane Ernährung tatsächlich funktionieren? Und wie fängt man sowas an?

Mir haben Selbstexperimente immer schon gefallen und im Zusammenhang mit der veganen Ernährung gibt es einige Möglichkeiten, durch die man sich gut spielerisch an das Thema herantasten kann. Meine Familie und ich haben schon ein bisschen was ausprobiert und die verschiedenen Challenges will ich hier kurz beschreiben.

Eat the Rainbow und die 30-Pflanzen-Regel

Das eine nennt sich "Eat the Rainbow". Es geht darum möglichst alle Farben des Regenbogens in einer Woche auf den Teller zu bringen. Und zwar so viele wie möglich. Rote Paprika, grüner Spinat, gelbe Linsen, blaue Beeren. Klingt erstmal einfach, aber wenn man sich wirklich anschaut, was man so isst, merkt man schnell: es häufen sich ein oder zwei Farben und um die restlichen zusammenzustellen benötigt es schon ein bisschen Kreativität. Das Prinzip hinter dieser Methode ist, dass verschiedene Farben verschiedene Vitamine und Mineralstoffe liefern. Also nicht als starre Regel gedacht, sondern eher als Orientierung und Anregung mehr Farben in seine Gerichte einzubauen. Ist hübsch anzuschauen und gut für die Gesundheit.

Ähnlich funktioniert die sogenannte 30-in-7-Challenge: 30 verschiedene Pflanzen in einer Woche essen. Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Kräuter - alles zählt. Das lässt sich gut auf einem Zettel dokumentieren und sorgt automatisch für Abwechslung auf dem Teller. Und die hat Folgen: Ballaststoffe, Vitamine, gute Fette, Kohlenhydrate und Eiseiße tragen zu einer vielfältigeren Darmflora – und damit auch zu einem stärkeren Immunsystem bei. Die Methode hat sich bei uns inzwischen wirklich bewährt. Woche für Woche werden Pflanzen gezählt und im Laufe der Jahreszeiten kommen dabei viele verschiedene zusammen.

Die Vegan Challenge – ein Monat oder eine Woche

Jeden Januar wird seit 2014 zum Veganuary aufgerufen. Die Idee ist es für einen Monat auf tierische Produkte zu verzichten. Begleitet wird die Kampagne inzwischen durch ganze Rezeptbroschüren, die Ideen für den gesamten Monat liefern. Aber es muss kein Januar sein und kein Monat – auch eine einzelne Woche reicht als Selbstexperiment. Der Gedanke dahinter ist nicht, für immer alles zu kippen, sondern einfach mal auszuprobieren, wie es sich anfühlt. Rezepte und Unterstützung gibt es unzählige im Netz jede Menge. Das macht die Einstiegshürde niedriger.

Und als letzten Ansatz kann man einfach versuchen täglich nur noch zu einer Mahlzeit tierische Produkte zu essen, wenn man (noch) nicht bereit ist, komplett darauf zu verzichten. Selbst dieser Schritt kann positive Auswirkungen haben.

Warum überhaupt - drei Hauptgründe

Erstens: Ethik. Jährlich werden zwischen 80 und 90 Milliarden Tiere geschlachtet. Allein in Deutschland sind es pro Jahr rund 700 Millionen Tiere. Kommen die Fische noch hinzu sind es jährlich 1-2 Billionen Tiere. Es sind unvorstellbare Zahlen. Unzählige Tiere, die Leiden müssen (Auch in der Milch und Eierindustrie).

Zweitens: Gesundheit. Pflanzliche Ernährung wird mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung gebracht. Sie kann bei Übergewicht helfen und zeigt positive Effekte bei Typ-II-Diabetes. Das heißt nicht, dass vegane Ernährung automatisch gesund ist – man kann sich auch mit Pommes und Oreos vegan ernähren. Aber wer Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte in den Mittelpunkt stellt, tut seinem Körper oft etwas Gutes.

Drittens: Umwelt und Klima. Die Zahlen hier sind erneut beeindruckend in einem negativen Sinn. Rund 77 Prozent der weltweiten Agrarflächen werden für Futtermittelanbau und Weidehaltung genutzt – liefern aber durch die Nutztierhaltung nur etwa 18 Prozent der weltweiten Kalorien. Für ein einziges Kilogramm Rindfleisch werden rund 15.000 Liter Wasser verbraucht. Pflanzliche Lebensmittel sind schlicht effizienter – sowohl was die Fläche als auch was die Emissionen betrifft.

77 Prozent der Agrarflächen weltweit werden für Tierfutter und Tierhaltung genutzt – und liefern dabei nur etwa 18 Prozent der globalen Kalorien.

Alle Hauptargumente, aus denen sich Menschen für eine vegane Lebens- und Ernährungsweise entscheiden lassen sich noch deutlich ausführlicher beschreiben, doch soll dies hier nur einen kurzen Überblick darstellen.

Kein Alles-oder-nichts

Was mich an den oben beschriebenen Ansätzen anzieht, ist dass keiner von ihnen Perfektion verlangt. 30 verschiedene Pflanzen in einer Woche – das ist ein Spiel, keine Vorschrift. Eine Woche kein Fleisch, kein Käse, keine Eier – das ist ein Experiment, kein Versprechen fürs Leben. Die Ansätze machen Lust auf mehr, mehr zu experimentieren in der Küche, sich mehr mit dem Thema Veganismus zu beschäftigen und letztendlich durch einfache Schritte im alltäglichen Leben eine Veränderung anzustoßen. Die Gründe sind real: das Tierleid, die Klimazahlen, die Gesundheitseffekte.

Ich glaube nicht, dass kleine Veränderungen nichts bewirken. Ich glaube, dass viele kleine Veränderungen zusammen sehr viel bewirken können. Und manchmal beginnt das einfach damit, mal eine Woche genauer hinzuschauen – was landet da eigentlich auf meinem Teller, und was steckt dahinter.

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